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searchparty Ich mag’s, dass das alles existiert.
Das ist schon mal positiv. Es gibt Leute, die sich so an ein reines Mastodon-Fediverse gewöhnt haben, daß sie alles, was anders ist, als störende Eindringlinge empfinden und wieder weg haben wollen.
Ich hab nur gar nicht so viel Sehnsucht nach Ersatzdiensten für Facebook, Insta, Wasweissich. Entgeht mir da was?
Na ja, auf eine Art schon. Was nicht Mastodon ist, ist ja auch nicht Mastodon mit einer anderen Oberfläche. Das kann schon ziemlich anders sein.
Zunächst mal sind so Features wie Textformatierung, Zitate oder Drükos/Drukos und sehr viel höhere oder gar keine Zeichenlimits außerhalb von Mastodon gang und gäbe. So manch jemand, der bis dahin das Fediverse als reines Vanilla-Mastodon-Netzwerk ansah, kriegt ja einen Riesenschreck, wenn das erste Mal ein Beitrag mit deutlich über 500 Zeichen auftaucht. Oder mit einem Zitat. Oder mit einer Stichpunkteliste. Oder mit Kursivschrift, aber es ist keine Unicode-Trickserei.
Schon im Microblogging-Bereich gibt's einiges, das ziemlich anders ist als Mastodon. @
crossgolf_rebel - kostenlose Kwalitätsposts ist ja auf einer der letzten verbliebenen Instanzen von Calckey. Das ist ein Fork des japanischen Misskey, der eigentlich letztes Jahr durch Firefish ersetzt wurde. Misskey hat schon 3000 Zeichen, die wie auf Mastodon hartgecodet sind. Bei den diversen Forkeys (Calckey/Firefish, Sharkey, CherryPick, Iceshrimp, Catodon usw. usf.) liegen die Limits mindestens auf dem Niveau, wenn nicht höher, sind aber durch den Admin konfigurierbar.
Interessanterweise sind Misskey und die Forkeys (wobei Iceshrimp allmählich kein Fork mehr ist) in der Handhabung trotzdem, und obwohl sie auch noch Features wie Textformatierung mittels einer erweiterten Variante von Markdown und eine sehr konfigurierbare Oberfläche haben, dichter an Prä-Musk-Twitter, als es Mastodon ist. Eine Mehrspaltenansicht à la TweetDeck haben Mastodon und die *keys, aber vor allem bei denjenigen Forkeys, die gegenüber Misskey noch Extrafeatures haben, kannst du damit mehr anstellen.
Die richtig großen Keulen sind dann die von Mike Macgirvin über gute 14 Jahre auf den Weg gebrachten (mehr oder weniger) Facebook-Alternativen. Friendica existiert schon seit 2010 und hatte von Anfang an schon eine sagenhafte Feature-Palette. Während Mastodon versucht, Twitter nachzuäffen, hat Friendica nie versucht, Facebook nachzuäffen, sondern eher, besser als Facebook zu sein.
So gibt's da beispielsweise auch alles, was man zum Bloggen bräuchte. Zeichenlimits gibt's nicht, gab's nie. Dafür gibt's die volle Palette an Textformatierung per erweitertem BBcode. Es gibt einen eingebauten Filespace, wo man z. B. Bilder hochladen und dann beliebig viele davon in Posts einbetten kann, also mit Text darüber und Text darunter, statt wie auf Mastodon nur vier davon als Dateien anhängen zu können.
Man kann Friendica-Konten auch als moderierte Diskussionsgruppen verwenden, ähnlich wie Gruppen auf Facebook. Die Erfahrung hat gezeigt, daß Friendica-Gruppen mit großen Teilen des Fediverse kompatibel sind bis hin zu Mastodon, nur daß es besonders für Mastodon-Nutzer nicht ganz straight-forward ist, einen Thread zu starten.
Friendicas eigentliches Killerfeature war aber immer, daß es stets versucht hat, sich mit allen möglichen Sachen zu verbinden. Es sollte so eine Art Kommunikationszentrale sein. Friendica kann sich mit diaspora* verbinden, es kann sich über OStatus mit den Sachen verbinden, die es noch haben, man kann zu WordPress und kompatiblen Blogs crossposten, man kann RSS- und Atom-Feeds abonnieren, und man kann auch per E-Mail oder XMPP kommunizieren.
Man kann auch ein Tumblr- oder Bluesky-Konto ins Friendica-Konto einbinden und sich dann damit bidirektional verbinden, ganz ohne Bridge. Theoretisch ginge das sogar mit 𝕏, wenn der Node-Betreiber ein Multimillionär wäre, der sich die API-Lizenz leisten kann. Und ab 2012 ging es kurzzeitig sogar mit Facebook, bis Facebook das unterbunden hat.
Über Friendica gäbe es noch einiges mehr zu erzählen, was da geht. So manch einer sieht es als das Schweizer Taschenmesser des Fediverse.
Aber wenn Friendica das Schweizermesser ist, dann ist Hubzilla das Leatherman. Hubzilla ist nämlich noch heftiger. Es wird bezeichnet als "dezentrales soziales Content Management System" und vereinigt entsprechend viele Funktionalitäten unter einem Dach.
Hubzilla fing ja 2012 an als ein Friendica-Fork namens Red, dann Red Matrix, und war zunächst einmal nicht viel mehr als Friendica mit
nomadischer Identität,
mehreren separaten Kanälen/Identitäten pro Konto und einem ziemlich mächtigen und detaillierten Berechtigungssystem. 2015 wurde es dann in Hubzilla umbenannt und entsprechend featuremäßig zur eierlegenden Wollmilchsau aufgebohrt.
Man könnte Hubzilla jetzt für alles Mögliche und Unmögliche nehmen. Beispielsweise habe ich auf diesem Kanal
einige nicht föderierte Artikel und
zwei Wikis. Und
die offizielle Hubzilla-Website ist selbst Teil eines Hubzilla-Kanals.
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Der Pepe (Hubzilla) ⁂ ⚝ hat Hubzilla sehr gut und sehr detailreich in seiner
Hubzilla KnowledgeDB erklärt.
Danach folgte von 2018 bis 2021 eine ganze Reihe von Forks, bei denen Zusatzfeatures und Verbindungsmöglichkeiten wieder abgespeckt wurden, die aber allmählich technisch und in der Handhabung immer weiter aufgefrischt und modernisiert wurden.
Im Oktober 2021 kam dann etwas, was eine ganze Zeitlang als stabil angesehen wurde, was aber auch ziemlich ungewöhnlich ist. Es hat nämlich offiziell, mit voller Absicht und aus guten Gründen keinen Namen, keine Markenidentität, (fast) keine Nodeinfo, und es wurde ebenso mit voller Absicht in die Public Domain gestellt, während Mike sonst alles unter die MIT-Lizenz gestellt hat.
Das Code-Repository brauchte aber zwingend einen Namen. Mike hat es Streams genannt, und so wird auch die Anwendung nicht ganz offiziell (streams) genannt, inklusive der Klammern.
Kürzlich hat Mike die Readme-Datei aktualisiert,
die ist echt lesenswert.
Okay, seit Osada und Zap von 2018 hat die Familie keine Artikel mehr, keine Karten, keine Wikis, keine Webpages, der Kalender ist vereinfacht worden usw. Das ganze Zeug gab es ja eh schon auf Hubzilla, und Mike wollte wieder zurück zu reinem Social Networking.
Dafür hat er aber die Handhabung vereinfacht, verschlankt und der Realität angepaßt, vor allem auch der Realität eines Fediverse, das mehr und mehr von ActivityPub dominiert wurde. Deswegen hat (streams) eine bessere ActivityPub-Integration als Hubzilla. Auf beiden ist ActivityPub optional, aber auf (streams) ist es in den Kern eingegossen, und (streams) kann es sich im Gegensatz zu Hubzilla erlauben, ActivityPub standardmäßig in neuen Kanälen zu aktivieren.
Ganz besonders die Berechtigungssteuerung ist vereinfacht und entschlackt und ermöglicht eine direktere Kontrolle darüber, welcher Kontakt was darf. Gleichzeitig ist (streams) aber auch sicherer, weil es nicht mehr möglich ist, den ganzen Kanal auf öffentlich zu schalten.
(streams) wird heute noch von Mike mehr oder weniger weiterentwickelt. Aber mit Forte hat er seit August noch ein weiteres Eisen im Feuer. Forte ist im Prinzip (streams), aber es unterstützt nur noch ActivityPub. Das heißt auch, daß auf Forte nomadische Identität rein über ActivityPub abgewickelt wird und nicht mehr über ein eigens dafür entwickeltes Protokoll. Deswegen ist Forte noch nicht öffentlich, ebenso wie übrigens die Entwicklerversion des Microblogging-Projekts Mitra, in der auch nomadische Identität eingebaut wird.
Aller Komplexität zum Trotze kann man, wenn man will, alle vier natürlich auch zum Microbloggen nehmen.
Darüber hinaus gibt's im Fediverse noch in andere Richtungen spezialisierte Sachen, die also nichts mit Microblogging oder Social Networking zu tun haben.
Mit Lemmy, dem dahinsiechenden /kbin, Mbin, PieFed und dem in Entwicklung befindlichen Sublinks gibt es etwa eine ganze Anzahl an Alternativen zu Reddit oder auch Hacker News.
Mit WriteFreely und Plume gibt's zwei spezialisierte Blogginganwendungen im Stil von Medium. Plume ist von den Features her eigentlich besser, wird aber im Moment nicht weiterentwickelt. Außerdem sind inzwischen viele WordPress-Blogs ans Fediverse angebunden.
PeerTube präsentiert sich als Alternative zu YouTube mit einer Prise Peer-to-Peer zwischen den Instanzen, inklusive Livestreaming. Rein auf Livestreaming à la Twitch spezialisiert ist Owncast. Ganz neu ist Loops als TikTok-Ersatz vom Macher unter anderem von Pixelfed und der FediDB, das föderiert aber noch nicht.
Im Audiobereich gibt's Funkwhale, wo man im Prinzip alles hochladen kann, aber nur lizenzmäßig freie Sachen öffentlich machen sollte, das noch recht junge Bandwagon als Bandcamp-Alternative und Castopod speziell für Podcasts wie z. B. das auch von @
crossgolf_rebel - kostenlose Kwalitätsposts gefeaturete
Radio Randow.
Es gibt noch einiges mehr, z. B. Mobilizon für kooperative Eventplanung, BookWyrm als GoodReads-Ersatz oder, auch noch recht neu, Flohmarkt, das ziemlich genau das ist, wonach es sich anhört.
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