Manchmal möchte man sich gerne nähern, aber tut es nicht. Also bleibst du da, wo es windstill ist. Und was man unterlässt, das ist nicht etwa Desinteresse, sondern die Erfahrung, wie schnell etwas kippt. Das Wissen darum, wie schnell das Kristall guter Absichten bricht. Und dann hältst du dich zurück aus Zärtlichkeit und man sieht dich nicht, aber alles was du nicht sagst, ist von An- und Abwesenheit durchdrungen. Deine Zurückhaltung für das, was du nicht kaputt machen willst, ist leiseste Liebe

Früher habe ich mir gerne die Zukunft ausgemalt. Zur Zeit bin ich froh, wenn ich mir das nächste Wochenende ungefähr vorstellen kann.

Interessant ist ja auch, wie beim Vogel Kontakte einfach komplett abbrechen, wenn man bestimmten "Dingen" nicht nachkommt. Bis hin zum Ghosting ist alles drin. Wie toxisch das eigentlich ist.

Würde gerne wieder mehr andere Dinge schreiben. Aber die Melancholie überlagert in diesen Tagen alles wie eine Decke, die ich nicht zurückschlagen kann, weil ich keine Hände habe. Es fühlt sich hilflos an und hilflos ist ein Zustand, den ich schwer aushalten kann, weil ich gewohnt bin, alles irgendwie ohne Hilfe zu schaffen.

Ach übrigens

Hass ist keine Meinung.

Jemanden in seiner Würde herabwürdigen ist keine Meinung.

Die Wahrheit leugnen ist keine Meinung.

Krankheit/Krebs 

Ich habe in den letzten Jahren drei Menschen verloren, die am Anfang völlig unspezifische Magen-Darm Beschwerden hatten. Zweimal war es Krebs. Seit Herbst letzten Jahres gibt es wieder einen Krebsfall im engsten Familienkreis, der auch nur durch diese Beschwerden auffiel und es sieht zur Zeit ganz danach aus, dass ich auch diesen Menschen verliere. Vielleicht eine Panikreaktion, dass ich nun nach drei Tagen eigener Magenschmerzen zum Arzt gegangen bin. Hätte ich früher nie gemacht. Der Arzt meinte, ich bräuchte Ruhe. Immerhin hat er sich nicht anmerken lassen, ob er mich für total durchgedreht hält.

Manchmal wenn man lächelt, gibt es einen kleinen Brückenmoment der Ernsthaftigkeit. Es vergehen Sekunden und die Augen werden klüger, durchdringend, und jemand beginnt in deinem Gesicht etwas zu suchen, bevor das Lächeln wieder seinen Platz nimmt. Es ist als ob das erste Lächeln eine These wäre, ob man sich mit jemandem gut fühlt, und das Zweite die Diagnose.

Ich habe gerade wieder eine Art kreativen Schub, möchte ganz viel machen, habe auch tausend Ideen, fange Vieles an. Und gleichzeitig wie immer im Hinterkopf schon die Frage: Wie lange währt es dieses Mal? Willst du nicht lieber gleich aufgeben, bevor du ohnehin nichts schaffst und es dich frustriert? Mein innerer Saboteur ist ein Meister seiner Zunft.

Wenn man lange genug traurig ist, wächst dieses Gefühl irgendwann wie Efeu über den seelischen Rand. Es bleibt nicht einfach in deinem Inneren, bei den anderen Gefühlen, sondern hängt aus dir heraus. Du empfindest etwas weniger davon, weil es dich verstopft, aber es lässt nahezu sichtbar werden, wie du das ganze Gewicht hinter dir her schleifen musst.

Es fällt mir zur Zeit wieder schwer Worte zu finden. Vielleicht habe ich schon alle geschrieben.

Menschen ohne Selbstzweifel sind mir sehr suspekt.

Es gibt eine Zeit in der man dir oft genug weh getan hat, und du zu vielen zu wenig warst. In der du dir selbst nahe bist, statt nur um andere zu kreisen, und merkst wie viel du richtig, und wie viel du falsch machst, und du bist für dich da. Etwas das sich anfühlt wie vollständige Gegenwart, ohne immer gleich Vergangenheit oder Zukunft zu werden. Und nichts ist perfekt aber alles wird besser. Weil du endlich dir selbst gehörst. Und du bist traurig und du bist glücklich und du bleibst.

Kennt sich hier zufällig jemand aus mit Gentests für eine BRCA Mutation? Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen? Wie funktioniert das? Gerne auch Info per DM.

Leben letztendlich auch nur durchspielen von Level zu Level immer in der Hoffnung auf den nächsten easy Highscore.

Ich stehe am Feld und beobachte die wogenden Gersten. Das satte Grün und die Bewegungen beruhigen mich. Es ist fast meditativ, die Zeit hält für einen Moment an, alle Bewegungen, außer dieser einen, frieren ein und ich möchte so gerne hier verharren. Weit weg von all dem Irrsinn, der mir laut kreischend ins Gesicht springt, wenn die Türen der Verdrängung wieder einmal nicht richtig schließen.

Manchmal sind auch die Worte schüchtern. Nicht nur der der sie spricht. Sie haben Angst, dass man sie falsch versteht, und dann umgedreht wie Käfer auf dem Rücken liegen lässt.

Dieses Gefühl, dass mir alles, was zur Zeit auf der Welt geschieht, zu viel wird: Überweltigung.

Ich habe nie verstanden, wie man rechts sein kann, wenn man nicht sehr dumm ist. Aber ich glaube jetzt habe ich es verstanden. Solche Menschen haben sich schlicht entschieden an diese Dinge zu glauben. Der menschliche Verstand kann so etwas. Er rechtfertigt es vor sich selbst. Selbst wenn er weiß, dass es eigentlich falsch ist. Und die Mauern solcher Menschen sind so dick, weil sie sich immer wieder belügen müssen, dass man kaum an sie rankommt.

Dieser Tag ist mir zwischen den Fingern zerronnen. Es bekommt mir nicht, wenn ich zu wenig zu tun habe.

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